Nachdem ich mich vor einiger Zeit schon mal mit einem eher allgemeinen Beitrag vorgestellt habe, möchte ich nun eine speziellere Funktion in Lightroom
vorstellen.
Im Entwickeln-Modul findet man das Werkzeug "Verlaufsfilter" - das vierte Symbol von links, der stilisierte Verlauf
(shortcut: M - wie mask). Ein alter Fotografentrick um nachträglich Farbe ins Spiel zu bringen.

Gerade an schönen hellen Sommertagen ist man häufig enttäuscht über die Blässe
des Himmels, der doch so strahlend blau war. Klar, zuviel Licht auf den Sensor
- was soll dieser schon machen? Er weiß ja nicht, dass der Himmel so blau ist.
Darüber hinaus lassen sich mit diesen Verlaufsfiltern aber noch ganz andere
Sachen anstellen.
In diesem Workshop geht es darum, den Miniatureffekt mit
diesen Filtern nachzubilden. Man findet diese "Tilt and Shift" Bilder häufig
in der Werbung, manchmal ist es auch einfach ein witziger Gag, um aus einem an
sich belanglosen Foto doch noch etwas heraus zu holen.
Als Motive eignen sich am besten Bilder, die von einem etwas erhöhten Standpunkt aufgenommen wurden.
Und nebenbei werden noch ein paar andere Tools des Entwickeln-Moduls
angesprochen. Es wird also etwas umfangreicher ...
Los gehts: hier das Ausgangsbild - ein Arm des Büsumer Hafens bei Ebbe.
Ein wunderbarer Sommerabend, aber die Stimmung kommt nicht so recht rüber ... (001).
Erstmal wählen wir den passenden Ausschnitt.
Taste R - und durch Schieben und
Drehen der Rahmenpunkte wird der Horizont begradigt und der grüne Kutter als
Motiv gewählt. Natürlich nicht in der Mitte des Bildes - das wäre zu
langweilig.
(002)

Jetzt werfen wir mal eine Blick auf die Werkzeuge.
Das Histogramm oben
zeigt, dass das Bild nicht perfekt ist. Rechts (im hellen Bereich) fehlt
eine Menge und auf der linken Seite zeigt der weiße Pfeil, dass ein paar
Stellen vollständig schwarz sind und auch durch Aufhellen keine Rettung
möglich ist. Ein Klick auf diesen Pfeil zeigt uns diese Bereiche knallblau an.
Wie
vermutet liegen sie im Rumpf des trockengefallenen Kutters.
Nochmal klick auf den Pfeil und das Blau verschwindet.
Es soll uns nicht
weiter stören.
Der rechte Pfeil im Histogramm zeigt uns die überbelichteten Stellen - falls vorhanden - in Rot an. (003).

Ich hebe die "Belichtung" etwas an, dadurch wird das Bild als ganzes heller.
Mit der "Wiederherstellung" kann man nun nur die hellen Bereiche wieder etwas dunkler machen.
Manchmal reicht das schon, um wieder Farbe in einen überbelichteten Himmel zu bringen.
Diesen Regler kann man ruhig beherzt bedienen.
Das "Aufhelllicht" kümmert sich nur um die dunklen Bereiche und "Schwarz" definiert sich selbst.
Dieser Regler arbeitet deutlich intensiver als z.B. die Wiederherstellung - probiert es einfach aus.
Ein wahres Wunderwerk sind die beiden oberen "Präsenz"-Regler Klarheit und Dynamik.
Mit ihnen kann man fast nichts verkehrt machen, wogegen man mit der "Sättigung" auch mal schnell zu viel des Guten bewirkt.
Stop - an dieser Stelle nochmal der Hinweis: alle Aktionen in Lightroom sind non-destruktiv, an der Datei wird nichts verändert, sie liegt nach wie vor im Originalzustand auf der Festplatte. Die Bearbeitungsschritte werden lediglich in die Lighroom-Datenbank geschrieben und jeder einzelne im Protokoll festgehalten. Alles lässt sich jederzeit modifizieren oder rückgängig machen.
Hier meine Einstellungen (005).

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Kommen wir zu den Verlaufsfiltern und dann weiter zu den Miniaturen.
Erstmal wollen wir den Himmel bearbeiten, um ein hübsches Urlaubsbild zeigen zu können.
Wir drücken die Taste "M" und diese Filter-Parameter erscheinen.
(007).

Sollte hier nur ein Parameter zu sehen sein, müssen wir auf den rechten oberen Pfeil klicken. Dann sollte es so wie oben aussehen.
Erstmal sacken lassen und gucken.
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Das Handling dieser Filter muss ein wenig geübt werden, ist dann aber unabhängig von den eingestellten Parametern immer gleich. Wir wollen den Himmel anblauen - also interessiert uns der Punkt "Farbe".
Ein Klick auf das Farbfeld (bei mir ist es schon blau gefärbt) öffnet den Farbkreis und wir können die gewünschte Farbe wählen. Intensität und Ton können noch nachträglich justiert werden.
Wir wählen ein kräftiges Blau und schließen die Farbbox durch einen Klick.

Jetzt klicken wir in die Mitte des Himmels und ziehen bei gedrückter Maustaste nach unten bis etwas über das Ufer hinaus, also ungefähr bis zur Bildmitte.
Hält man dabei die Shift-Tast gedrückt wird der Verlauf exakt horizontal aufgezogen, man sieht sofort den Effekt. Drei Linien beschreiben den Verlauf. Auf der mittleren befindet sich eine Art "Anfasser". Mit ihm lässt sich der Verlauf als Ganzes im Bild verschieben. Die untere Linie zeigt an, wo der Filter keine Wirkung mehr hat, die obere dagegen wo die Filterintensität abnimmt. Durch Verschieben der äußeren Linien kann man diesen Übergangsbereich also in der Größe bestimmen. Ebenso lässt sich durch Drehen der mittleren Linie der Winkel des Verlaufes bestimmen. Achtet einfach auf die Form des Mauszeigers.
Durch erneutes Drücken der Taste "M" werden die Linien ausgeblendet. Nochmals "M" und der Filter wird wieder sichtbar. Klick auf den Anfasser (angezeigt durch einen schwarzen Punkt) lassen sich nun alle Parameter in Ruhe einstellen.
Durch einen Klick auf das Farbfeld lässt sich mit den verschiedenen Blautönen experimentieren, soll die Intensität verändert werden, zieht man den Farbwähler langsam nach unten oder verschiebt den rechten unteren Regler nach links. Null Prozent bedeutet, dass keine Filterwirkung mehr besteht.
Hier das Ergebnis - das sieht doch schon nett nach Sommer aus (009).

Natürlich kann man bei aktiviertem (> schwarzer Punkt) Filter nun auch noch die anderen Parameter einstellen.
Vielleicht ein wenig die Belichtung verringern, das gibt mehr Abendstimmung oder den Kontrast erhöhen - schon kommen die Wolken besser zur Geltung oder oder oder. Probiert selber - man kann wie gesagt nichts zerstören. Durch wiederholten Klick auf den Button links unten in der Filterbox lässt sich die Wirkung überprüfen.
Bis hierhin alles klar soweit?
Ehe wir es wieder sacken lassen und endlich zu dem Miniatureffekt kommen schnell noch 2 Dinge. Es lassen sich jederzeit beliebig viele weitere Verlaufsfilter aus allen Richtungen mit unterschiedlichen Einstellungen aufziehen. Warum nicht für ein Sommer-Wiesen Foto von unten noch ein Grün-Filter oder von der Seite her den Kontrast absenken.
Und das Beste nun: jede beliebige Einstellung kann man in Lightroom als Entwicklungspreset abspeichern und hat es damit mit einem Mausklick auch auf andere Bilder angewendet. Einfach im Menu "Entwickeln" den Punkt "Neue Vorgabe" anwählen, darauf achten dass bei Verlaufsfilter das Häkchen gesetzt ist und unter einem beliebigen Namen, z.B. "blue-sky" abspeichern.
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Zurück bzw. endlich hin zum eigentlichen Thema: Tilt and Shift (Verschwenken und verschieben), der Miniatureffekt.
Den optisch-mathematischen Background will ich hier nicht erläutern, das www ist voll mit Informationen auch zu diesem Thema.
Im Spiegel gabs am 28.2.2010 einen ganz interessanten Artikel zum Thema: www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,677217,00.html
Es geht darum, das Hauptmotiv möglichst scharf und alles andere unscharf abzubilden. Je intensiver dieses umgesetzt wird umso modellhafter erscheint es dem Betrachter.
Machen wir uns doch erstmal eine virtuelle Kopie vom bisherigen Ergebnis - "STRG-T" erzeugt eine. Unser Urlaubsbild bleibt dann erstmal von allen weiteren Verfremdungen verschont, oder dient als neuer Ausgangspunkt, wenn wir uns verlaufen haben.
Bereiten wir unser Bild ein wenig vor.
Das Ziel - eine Miniaturlandschaft - vor Augen drehen wir erstmal den Sättigungs-Regler in den Grundeinstellungen des Entwickeln-Moduls auf, es darf gerne etwas "knallig" sein, schließlich wollen wir ja eine künstliche Stimmung. Zudem schärfen (unter Details) wir auch noch kräftig nach.
Jetzt kommen die Verlaufsfilter wieder ins Spiel, diesmal der Parameter "Schärfe".
Schritt für Schritt: "M" aktiviert den Filtermodus. Jetzt erstmal wieder die Farbbox öffnen und den Wähler ganz nach unten ziehen und damit die Intensität auf Null Prozent setzen. In Lightroom 3.x wird nach Verlassen der Farbbox dieser Zustand mit einem durchgestrichenen weißen Kästchen angezeigt. Jetzt stellen wir den Schärfe-regler ganz nach links auf den Wert "-100", den Regler Klarheit ebenfalls auf einen negativen Wert und fangen an.
Der Kutter ist das Hauptmotiv, also klicken wir knapp überm Horizont und ziehen den ersten Verlauf bis an die weißen Segelboote leicht schräg nach links unten. Voila, der Effekt wird schon sichtbar. Gleich nochmal eben unter den ersten Anfasser geklickt und mit den selben Einstellungen einen zweiten, nicht ganz so breiten Verlauf dazu.

Um die Wirkung gezielt einsetzen zu können, muss man an dieser Stelle
ganz sicher probieren und üben. Nehmt euch die Zeit.
Nochmal kurz zum Motiv: ideal sind Aufnahmen von einem erhöhten Standpunkt, also rauf auf Brücken und Balkone und nach unten fotografiert ...
Dann geht es an die untere Bildpartie. Etwas über dem unteren Bildrand klicken und bis etwa an die Poller der Kutters ziehen, bei Bedarf wiederholen bzw. weitere Verläufe hinzufügen. Einzelne Filter lassen sich in aktiviertem Zustand sofort mit der "ENTF"-Taste löschen oder ihr geht über das Protokoll zu einem vorherigen Arbeitsschritt zurück.
Das ist schon fast alles. Um das Ganze noch abzurunden kann man noch an den Rändern links und rechts je einen schmalen vertikalen (shift-Taste halten) Filter ziehen. Diese sollten aber wirklich nur sehr schmal sein, sonst wirkt es komisch.
Und wer dann noch möchte, dunkelt die Ränder mit einem negativen Wert unter "Effekte" - "Vignettierung nach Freistellen" etwas ab.
Das ist alles - hier das Ergebnis.

Schnell als Preset (Entwickeln - neue Vorgabe) abspeichern und fertig, d.h. noch nicht so ganz.
Dieses Preset würde jetzt nur bei einem ähnlich großem Bild und dem Hauptmotiv an derselben Stelle funktionieren.
Bewährt haben sich bei mir drei Presets: large, medium und small mit dem Fokus in der Mitte. Dann lassen sich im aktivierten Filtermodus über die Anfasser die Filter schell verschieben und anpassen.
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Viel Spaß beim Filtern und auf weitere Entdeckungen in diesem fantastischem Programm. Thanks Adobe.
Gruß sailor
Diesen Video gerade eben im spon gesehen ein ganzer Film mit Tilt-shift Effekt: www.spiegel.de/video/video-1143074.html >